Open Thread: Was ist Nachhaltigkeit?

49136_1037542604_5455841_nWer im Glashaus sitzt, sollte manchmal erst recht mit Steinen werfen, deshalb ergreifen wir direkt auch mal einen schönen großen spitzen Stein und stellen allen Lesern des csr-stratgie.de- Blog die Frage:

Was ist Nachhaltigkeit für Sie?

Nachhaltigkeit oder,wie wir es weltgewandt verwenden, Sustainability ;-) ist mit Sicherheit eines des jargongisten Wörter unserer Branche. Jeder scheint hier eigene Vorstellungen und Meinungen zu haben und je mehr Ideen es hier gibt, desto sinnentleerter scheint der Begriff zu werden.
Stimmt das?

Ist Nachhaltigkeit nur noch eine Hülle? Ein PR-Gag? Ein Berater-Trick? Oder ist Nachhaltigkeit nach wie vor ein treffender Begriff? Ein notwendiges Konzept? Eine Synonym für eine vom Verbraucher gewollte Entwicklung? Sinnvoll für Unternehmen, Umwelt und Gesellschaft?

Meine Meinung: Ja und Ja – selbstverständlich ist jeder Begriff, der eine aktuelle sehr dynamische Entwicklung beschreibt schnell in der Gefahr, missbraucht zu werden und vor allem “nicht mehr gehört werden zu können”. Mögen Sie noch Change-Kommunikation, Web 2.0 oder App und die vielen anderen Buzzwords aus PR, Marketing, IT und Managementcoaching hören?

Provokation: Nicht selten stecken hinter all den Frotzelein an und Diskussionen um Begrifflichkeiten, die letztlich nur Etiketten sind, Eitelkeiten von Branchenteilnehmern, die sich eigentlich nur ärgern, dass Ihnen die Welt nicht allein gehört. Hier bemüht man sich dann krampfhaft eigene Wortkreationen zu entwickeln, die die Problematik einer sinnentleerten und für keinen Interessierten mehr dechiffrierbaren Extremprosa nur verschärfen.

Das mag jetzt nicht überraschen, aber aus meiner Sich ist Nachhaltigkeit ein guter, sinnvoller und wichtiger Begriff , der deutlich mehr als ein Marketing- oder Managementprinzip ist. Aus meiner Sicht steht er bestens für das sinnvolle Streben nach Erhaltung von lebenswichtigen Ressourcen, soziale, kulturelle, ökonomische und ökologische und eine Lebensweise, die nicht am Werktor, der Bürotür oder dem eigenen Einkaufswagen halt macht.

Ich sehe Gefahren des Missbrauchs und der Täuschung (Green, Blue, White etc. -washing). Ich sehe auch, dass der Großteil der Menschen weit entfernt davon ist, wirklich ins LOHAS-Muster zu passen. Aber das alles sind nicht Probleme des Begriffes Nachhaltigkeit. Im Gegenteil – Sie zeigen nur, dass Nachhaltigkeit ein sehr ambitioniertes Ziel ist, an dem wir alle jeden Tag arbeiten müssen, um es zu erreichen. Aber, und das muss ich mir nach den aktuellen Schlagzeilen einfach gönnen: es ist ein Ziel, das alternativlos ist und welches wir proaktiv angehen müssen.

Ein paar interessante Gedanken zum Thema finden sich übrigens auch hier im Blog von Chris MacDonald unter der schönen Überschrift “Sustainability is Unsustainable”

Wie gesagt: Das soll ein Open Thread sein also “Feuer frei”

Was fällt Ihnen zum Thema Nachhaltigkeit ein? Was wollten Sie immer schon mal sagen? Was finden Sie toll? Was nervt? Bitte Einkaufstipps, wo man tollen ökologischen und nachhaltig produzierten Kaffee, Luffaschwämme oder ähnliches bekommen kann nach Möglichkeit nicht posten. Ist spannend, aber zu einer anderen Zeit.

Naja, Sie wissen schon – Einfach Kommentar eintragen, und wenns legal ist, wirds umgehend freigeschaltet.

Ich freue mich auf Kommentare

Riccardo Wagner

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Über Riccardo Wagner

Riccardo Wagner ist geschäftsführender Gesellschafter bei BetterRelations - CSR Strategy & Communications. Wir bieten unabhängige Beratung & Projektmanagement für Unternehmen und Agenturen für Strategie, Unternehmenskommunikation und Medienproduktion, mit einem Schwerpunkt in den Bereichen CSR/Nachhaltigkeit & Charity.

2 Antworten zu “Open Thread: Was ist Nachhaltigkeit?”

  1. “Nachhaltigkeit” ist für mich ein Begriff, der geschrieben und gesprochen seine beste Zeit hinter sich hat. Aber warum ist das so? Schließlich fallen auch mir spontan etliche, positive Synonyme ein: Langfristigkeit, Umweltschutz, Wiederverwertbarkeit, Haltbarkeit usw.

    Dennoch stößt er mir mittlerweile zumeist sauer auf, wenn ich ihn höre oder gar lese. Das war noch vor zwei, drei Jahren anders. Nach meiner Erinnerung, weil er nur selten eingesetzt wurde. Und zwar zumeist dann, wenn eines der Synonyme zur Beschreibung des Sachverhalts nicht ausreichte.

    Heute ist es leider häufig umgekehrt – da genügt schon die minimale Verbesserung eines Produkts oder einer Dienstleistung, schon kommt das große Wort “nachhaltig” ins Spiel. Für mich eindeutig Verwässerung statt Fokussierung. Deshalb mach ich’s (mündlich und schriftlich) lieber ganz konkret: Was genau ist besser (geworden)?

    Andererseits sind Inhalt, Bedeutung und Philosophie HINTER dem Begriff für heutige und künftige Generationen unbedingt überlebenswichtig.

    Daher wünsche ich mir inflationäres nachhaltiges Wirtschaften unter sparsamer respektvoller Verwendung leerer Nachhaltigkeitsfloskeln.

    • Hallo Herr Leuchter, schön Sie hier bei uns im Blog zu lesen.

      Sie treffen damit einen vollkommen richtigen Punkt – diese Begrifflichkeit ist ja leider nicht die einzige, die durch übermäßig, leichtfertigen Gebrauch entwertet wird.

      Eben weil das dahinter stehende Konzept so begehrenswert und notwendig ist, ist die Versuchung ja so groß, es sich durch einfaches anheften zum eigenen Vorteil ohne großen Aufwand zu verwenden.

      Wenn man es also sehr positiv sehen will, ist die massenhafte Missbrauch eigentlich ein Lob und der beste Beweis für die Sinnhaftigkeit.

      Wie gesagt, sehr positiv gesehen. Es hilft aber natürlich nichts, wenn damit ein Thema beschäfigt wird – wie es hier zumindest in Teilen Gefahr läuft.

      Ich persönlich sehe das jedoch nicht flächendeckend bzw. merheitlich gegeben. Aus meiner Sicht gibt es inzwischen sehr viele ernsthafte und strategische Unternehmensstrategien in diesem Bereich. es gibt zudem sehr ernsthafte und tief gehende inhaltliche Entwicklungen, von wissenschaftlicher, politischer und kommunikativer Seite her.

      Ich finde Ihre Anregung oder Vorgehen interessant, die Dinge unter Umgehung des Wortes Nachhaltigkeit zu beschreiben und würde unterstützen, dass das, wo möglich, auch vielleicht der bessere Weg ist. Ich bin mir aber nicht sicher, inwiefern es vollständig Ersatz oder zum wirklich großen Teil möglich sein kann. Es muss Begriffe und Symbole geben, die Dinge auf den Punkt bringen.

      Nachhaltigkeit ist da einfach ein tollen Begriff und ich denke, dass wir statt der Suche nach neuen Begriffen, die dann am Ende das selbe Schicksal erleiden zu suchen, wir stattdessen als professionelle Akteure in diesem Business, die Zeit dafür verwenden sollten das bestehenden Konzept so oft, so eindringlich und so sauber zu kommunizieren und zu vertreten, dass es der Kenntnisstand zum Thema in der breiten Bevölkerung besser wird und Missbrauch damit auch schneller zu entlarven ist.

      An der Stelle auch noch ein weiterer Gedanke, der denke ich auch in die Diskussion gehört.

      Das Vorantreiben von nachhaltiger Entwicklung ist ein Prozess – für uns als Personen/Konsumenten/Bürger/Wähler, für Unternehmen, für Organisationen und die Politik – letztlich also für unsere Gesellschaft. Hier gehört auch in gewisser Weiße eine Abweichung von der reinen Lehre einfach ein Stück weit zur Lebensrealität. Entwicklungen verlaufen nicht geradlinig. Übertreibung, Heuchelei, Nachlässigkeit, Motivation/Demotivation – all diese Dinge gehören dazu.

      Ich möchte hier einmal eine Behauptung aufstellen, die ich gern weiter diskutieren möchte. Die Unternehmen, die da Wort nachhaltig und Nachhaltigkeit missbräuchlich benutzen, gehen trotzdem, wenn auch zunächst nicht nur aus richtiger Intention einen Weg, der Sie in eine Richtung bringt, aus der Sie letztlich nicht wirklich wieder umkehren können. Wer das Wort in den Mund nimmt öffnet ein Stück weit die Büchse der Pandora. Es gibt einen Spruch, Heuchelei ist der erste Schritt zu Änderung, genauer Wortlaut und Zitatgeber fällt mir grad nicht ein. Ich halte das aber für einen wirklich interessanten Gedanken.

      Ich denke, man ist immer gut beraten nicht zu dogmatisch zu werden, da damit auch schnell Blockaden aufgebaut werden. Ich denke aber das Cliquen und Lagerdenken für Nachhaltigkeit nicht der richtige Weg ist.

      Ich freue mich auf weitere Kommentare, Ideen und Gedanken zum Thema.

      Die besten Grüße Riccardo Wagner

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