Nachhaltigkeit … mehr als ein Trend
Das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen ist keine Modeerscheinung, sondern hat große Zukunft – davon ist Michael Thorns, beim BDA verantwortlich für die Initiative CSR Germany, überzeugt.
Interview: Maike Zürcher
Herr Thorns, wie definieren Sie den Begriff Corporate Social Responsibility – was umfasst er?
Unter dem Begriff Corporate Social Responsibility – der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen – fasst man das freiwillige, über das gesetzliche Maß hinausgehende Engagement von Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Wirtschaft zusammen. Welche Möglichkeiten ein Unternehmen für sein gesellschaftliches Engagement hat, hängt sehr von seiner Größe, der Branche sowie dem Markt, in dem es geschäftstätig ist, ab. Ein Bäckermeister aus Berlin hat andere Möglichkeiten, aber natürlich auch ganz andere Herausforderungen in Bezug auf sein gesellschaftliches Engagement als zum Beispiel ein multinationales Textilunternehmen, das in Bangladesch einen Großteil seiner Waren produziert.
Sollte sich das Engagement Ihrer Meinung nach eher auf die Region beschränken, nach dem Argument: Afrika ist fern – zu helfen gibt es in Deutschland genug?
Lokales Engagement in Deutschland und die Übernahme von Verantwortung in einem internationalen Kontext widersprechen sich nicht, sondern ergänzen sich gegebenenfalls. Viele Unternehmen sind über ihre Auslandsniederlassungen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Schwellen- und Entwicklungsländern lokale Partner. Darüber hinaus gewinnt die Verantwortung für die Zulieferkette zunehmend an Bedeutung. Sehr viele Unternehmen bemühen sich aktiv darum, Sozial- und Umweltstandards bei ihren Zulieferern in Schwellen- und Entwicklungsländern sicherzustellen. Die Frage nach einem „entweder – oder“ stellt sich also nicht.
Welchen Bezug sollte ein unterstütztes Hilfsprojekt zum Unternehmen haben?
CSR ist weit mehr als die Unterstützung von Hilfsprojekten. Engagiert sich aber ein Unternehmen zum Beispiel im Bereich Corporate Volunteering, ist es sinnvoll, an die Kernkompetenz oder die Kerngeschäftstätigkeiten eines Unternehmens anzuknüpfen. Das bedeutet zum Beispiel, dass eine Rechtsanwaltskanzlei, anstatt seine hoch ausgebildeten Mitarbeiter im Rahmen eines „sozialen Tages“ zum Streichen in eine Schule der Umgebung zu schicken, den Mitarbeitern Freiräume für längerfristigere Projekte einräumt, in denen die Mitarbeiter ihre juristischen oder sonstigen Fähigkeiten einsetzen können.
Was erwidern Sie Kritikern, die behaupten, dass viele Firmen sich aus reinen Imagegründen für Hilfsprojekte engagieren?
Im Gegensatz zum Marketing steht bei CSR die Übernahme von Verantwortung im Vordergrund. Dass ein Unternehmen mit CSR auch seine Reputation verbessert, steht dem nicht entgegen.
Glauben Sie, dass das soziale Verantwortungsbewusstsein von Unternehmern in Zukunft noch zunehmen wird – oder ist es doch eher ein Trend, der wieder verblassen wird?
Unternehmen engagieren sich für ihr Umfeld, seit es Unternehmen gibt. Das werden sie auch in Zukunft tun. Was zunimmt, ist die Formalisierung dieses Engagements. In den letzten fünf Jahren haben mehr und mehr Unternehmen mit Nachhaltigkeitsberichterstattung angefangen. Dieser Trend wird sich aus zwei Gründen fortsetzen: Erstens verlangen NGOs, Gewerkschaften und die Öffentlichkeit zunehmend CSR-Berichterstattung von Unternehmen; zweitens wird Social Responsible Investment (SRI) immer wichtiger. Unternehmen, die in einem Nachhaltigkeitsindex gelistet werden wollen, werden auch über ihr Engagement berichten. Zudem werden die globalen Aspekte von CSR mit der zunehmenden Handelsverflechtung weiter an Bedeutung gewinnen. Fragen wie zum Beispiel die Einhaltung von Sozialstandards in der Zulieferkette werden noch stärker eine Rolle spielen als ohnehin schon.
Sollte CSR mehr gesetzlich „verordnet“ werden – oder kann man hier auf die Freiwilligkeit der einzelnen Unternehmer bauen?
CSR ist zu vielfältig und komplex, als dass man es sinnvoll gesetzlich verordnen könnte. Wie sollen ein Handwerker, ein industrieller MittelständÂler und ein multinationaler Konzern die gleichen Anforderungen erfüllen können? Jede Regelung würde die dynamische Entwicklung von CSR zu einem jähen Ende bringen und das Engagement auf dem kleinsten Nenner fixieren. Die Europäische Kommission hat daher schon vor Jahren solche Pläne aufgegeben. Notwendig ist ein praxisrelevanter CSR-Ansatz, der auf Erfahrungsaustausch, Dialog und Wissensvermittlung basiert.
Können sich auch kleinere Betriebe CSR „leisten“?
Kleine Unternehmen haben sogar Vorteile in Bezug auf ihr gesellschaftliches Engagement gegenüber DAX-Konzernen. Sie sind in ihrem lokalen Umfeld fest verwurzelt und kennen damit ihre Stakeholder sehr gut. Als inhabergeführte Unternehmen sind sie nicht den Aktionären verpflichtet und müssen CSR-Maßnahmen diesen gegenüber nicht rechtfertigen. Zudem gibt es einen direkten Kontakt zwischen dem Chef und den Mitarbeitern. Dafür haben sie aber natürlich nicht die Ressourcen wie große Unternehmen für ihr gesellschaftliches Engagement. Das betrifft insbesondere die sehr eingeschränkten Möglichkeiten zur Berichterstattung ihres CSR-Engagements.
Unter CSR Germany haben sich Unternehmen zusammengefunden, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Ist es schwer, weitere Firmen vom nachhaltigen Konzept zu überzeugen?
Viele Studien zeigen, dass sich die ganz überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist und sich dementsprechend über das gesetzliche Maß hinaus engagiert. Vor diesem Hintergrund ist es nicht Aufgabe von CSR Germany, „Eulen nach Athen zu tragen“, sondern es geht darum, den Erfahrungsaustauschfördern, Anregungen für Initiativen zu geben und das umfassende gesellschaftliche Engagement der Unternehmen darzustellen.
Matthias Thorns ist wissenschaftlicher Mitarbeiter
in der Abteilung Europäische und
Internationale Sozialpolitik
der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
und zuständig für CSR Germany.



7. Mai 2009 



CSR ohne Kontext geht nicht! Voraussetzung für ein kontinuierliches CSR Engagement ist der kontinuierliche Erfolg des Unternehmens. QET hat nachhaltige Unternehmensentwicklung über je 20 Qualitäts-, Ethik-, Transparenz- Best Practice Faktoren definiert. Der Punkt CSR (E20) ist dem Bereich Ethik zugeordnet.