CSR-Strategie der Deutschen Post DHL – Erster Nachhaltigkeitstag

Beim gestrigen Nachhaltigkeitstag der Deutschen Post DHL (DP) gab es CSR-Strategie aus dem Lehrbuch – das ist Stärke und Schwäche zugleich – doch zunächst einmal zu den Stärken, die im Ganzen überwiegen.

Appel bei der Eröffnungsrede

Vorstand Appel bei der Eröffnungsrede Foto: DP DHL

Die DP hat sich für diesen Tag ein ambitioniertes Programm vorgenommen – es gab viel zu erzählen und neben dem Kernteil der Vorstellung des DP-CSR-Programmes “Living Responsibility” sollte auch der Austausch und die Diskussion nicht zu kurz kommen. Hierfür griff man pflichtbewusst zu allen Bausteinen aktueller Unternehmenskommunikation und bemühte sich auch redlich “Social” zu sein – vom Livestream, über Twittereinbindung und Onlinechat. Dass Moderator Rangar Yogishwar dann vergass sein eigens für ihn präpariertes iPAD, auf welches die Twitterfragen eingestellt wurden zu benutzen – ist mehr eine lustige Randnotiz (Siehe dazu unten auch das UpDate).

Ansonsten ging es, gemäß des Firmenauftrages straff gemanaged zu. Die Redner des Tages, sogar die externen, agierten “Just in Time” und trauten sich kaum den großen Countdown, der auf einem Flatscreen eingeblendet wurde und mahnend, bei Überschreiten der geplanten Redezeit, in rote Lettern überging zu missachten.

Den Beiträgen tat das in keiner weise einen Abbruch – Firmenchef Appel eröffnete den Tag mit einer soliden und sachlichen Rede in der vor allem ein Punkt besonders positiv auffiel: CSR ist, zumindes bei Unternehmen wie der Deutschen Post DHL, endlich dort angekommen, wo es hingehört, in das Herz des Managements. Appel machte unmissverständlich glaubhaft, dass die CSR Strategie des Unternehmens untrennbar mit der Unternehmensstragie und den Unternehmenszielen verknüpft ist.

Appel betonte, das die DP für alle Maßnahmen zwei wesentliche Faktoren zur beurteilen heranzieht. 1. Nutzt die Maßnahme das spezifische Know-how des Unternehmens und ist so auch inhaltlich mit dem Unternehmen verbunden? und 2. Nützt die Maßnahme dem Unternehmenserfolg?

Gesellschaftliche Verantwortung und Nachhaltigkeit ist bei aller Dringlichkeit kein Selbstzweck. Appel sagte, CSR-Maßnahmen seien nur wenn sie dem Unternehmen dienen, wirklich nachhaltig durchführbar – und traf damit einen wesentlichen Punkt, der noch immer ein falsches Vorurteil gegenüber CSR-Konzepten und Strategien ist.

In der nachfolgenden Diskussion machte er zudem auch deutlich, dass es hier auch notwendig ist Managementprinzipien und Unternehmensteuerung anzupassen, denn es sei unabdingbar, dass Manager zukünftig auch nach Faktoren wie Ressourcenverbrauch gemessen würden. Interessant war auch zu spüren, dass inzwischen ein sehr gesunder CSR-Wettbewerb der Großunternehmen herrscht. Appel stellte mehrmals klar, dass Nachhaltigkeit und CSR von diesem Wettbwerb der Unternehmen profitieren werden. Ein schöner Trend, bleibt zu hoffen, dass dieser auch auf die Partner und Zulieferbetriebe ausgedehnt wird  und sich damit der CSR Gedanke endgültig in der Wirtschaft durchsetzt. Vorreitern wie der Deutschen Post DHL kommen hier eine wichtige Botschafterfunktion zu, der sie mit dem Nachhaltigkeitstag auch nachkommt.

Für einen interessanten und unterhaltsamen Sidekick sorgte, in gewohnt offener Weise, der Physiker Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, der sich schwungvoll das Thema Energie- und Rohstoffkosten & Politik vornahm und bei der Gelegenheit sein aktuelles Buch “Faktor 5″ genauer vorstellte. Besonders spannend wurde der Vortrag, des auf internationalem Parkett erfahrenen Wissenschaftlers, als er eine neue Allianz zur Nachhaltigkeit zwischen Asien und Europa vorschlug – da er hier deutliches Innovationspotenzial und auch grundsätzliche Übereinstimmungen erkenne. Zudem prangerte er den Verlust des langfristigen Blicks in der Politik und Wirtschaft an und forderte eine aktivere Energiepreispolitik ein, da es nicht sein könne, dass die Energiekosten und Kosten für Primärrohstoffe in den letzten

Prof. Weizsäcker Foto: DP DH

Jahrzehnten, entgegen landläufiger Meinung, immer billiger geworden seien. Es schlug eine Steigerung des Energiepreises entlang der erreichten Effizienzsteigerung vor und sprach sich für erhebliche Mehranstrengungen bei der Entwicklung und Durchsetzung von Reyclingtechnologien und Prozessen aus. Es könne nicht sein, dass wir uns über die Knappheit, z.B. seltener Erden beschweren und gleichzeitig die Recyclingquote hier unter einem Prozent liegt.

Im weiteren Verlauf stellt die DP DHL dann in Workshops ausführlich Ihre drei Aktionsstränge innerhalb der “Living Responsibility” Strategie vor: GoHelp, GoTeach und GoGreen. Ein Überblick (Unternehmensbeschreibung):

Go Green :  Mit der Einführung des GoGreen-Programms hat sich Deutsche Post DHL als erster globaler Logistikanbieter ein messbares Klimaschutzziel gesetzt. GoGreen bildet den Rahmen, den Energieverbrauch und die Umweltauswirkungen des Unternehmens noch weiter zu reduzieren. Seit 2009 nutzt Deutsche Post DHL ein Carbon Accounting & Controlling-System, das die CO2-Emissionen aller Bereiche, Standorte, Kunden und Produkte misst. Die Berichterstattung der direkten Emissionen des Energieverbrauchs ist jetzt direkt in das Rechnungslegungssystem integriert, wodurch die Genauigkeit der Daten erheblich verbessert wird. Das neue System bildet die Grundlage des GoGreen- Programms: Es kann alle erzielten Fortschritte direkt messen und ausweisen.

Das Ziel des Programmes: Deutsche Post DHL will die Auswirkungen des eigenen Geschäfts auf die Umwelt minimieren: Auf dem Weg in eine ökologisch verantwortungsvolle Zukunft hat das Unternehmen sich das Ziel gesetzt, die CO2-Effizienz im gesamten Konzern – einschließlich aller von Subunternehmern erbrachten Transportleistungen – bis 2020 um 30 Prozent zu verbessern. In einem ersten Schritt will Deutsche Post DHL die Klimabilanz ihrer eigenen operativen Prozesse bis 2010 um 10 Prozent gegenüber dem Niveau von 2007 steigern. Dieses ehrgeizige Ziel steht im Zentrum des umfassenden, im April 2008 eingeführten GoGreen-Programms. Das Programm wird in allen Konzernbereichen umgesetzt. Die zentralen Hebel des GoGreen-Programms sind die Flotten- und Netzwerkoptimierung, die Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden, die Einführung innovativer Technologien, die Mobilisierung der Mitarbeiter und die Einbeziehung von Subunternehmern und Kunden.

Weitere ausführliche Infos hier als PDF GoGreen_DE

GoHelp: Das Katastrophenmanagement-Programm „GoHelp“ konzentriert sich auf zwei Schwerpunkte: Effektive Nothilfe mit den Katastropheneinsatzteams (Disaster Response Teams – DRTs) und der Katastrophenvorsorge mit dem Programm „Get Airports Ready for Disaster“ (GARD). Weitere ausführlichere Infos hier als PDF. Go Help

GoTeach: Mit dem Bildungsprogramm GoTeach will Deutsche Post DHL den Zugang zu Bildung verbessern, zu mehr Qualität in der Bildung beitragen, sowie die Kinder der eigenen Mitarbeiter fördern. Die Partnerschaft mit Teach First Deutschland ist eine von mehreren Bildungsinitiativen im Rahmen von GoTeach. Seit dem Start von Teach First Deutschland im Februar 2009 ist Deutsche Post DHL als größter Förderer der Initiative aktiv. Dabei unterstützt die Deutsche Post DHL die Organisation, die sogenannten Fellows und Schüler an Teach First Deutschland-Partnerschulen. Konkret heißt das:

  • Finanzielle Unterstützung beim Aufbau und bei der Umsetzung des Teach First Deutschland Programms
  • Sommer Camps “Camp4us” zur Förderung von Schülern und Qualifizierung der Fellows
  • Volunteering von Deutsche Post DHL Mitarbeitern und Führungskräften
  • Berufsqualifizierung von Fellows und Rekrutierung ehemaliger Fellows für den Konzern

Weitere ausführlichere Infos hier als PDF. Go Teach

Klingt soweit alles prima – ist es auch – dennoch hinterlässt der Tag emotional einen gemischten Eindruck der für eine CSR-Strategie nicht unwichtig ist. Das gesamte Programm des Tages und das gesamte CSR-Programm wirkt auf mich sehr reißbrettartig durchgetaktet, effizient und mechanisch. Die DP hat keinen Zweigel daran gelassen, dass sie Logistik, Technik und Planung zu hunderprozent beherrschen. Sie entwerfen einen Plan, der dann generalstabmäßig ausgerollt und auf die Sekunde abgewickelt wird, wie die Gespräche und Vorträge des Tages.

Um das klar einzusortieren – Professionalität, die man der DP in jeder Weise zusprechen muss – ist kein negativer Punkt – vielmehr geht es hier um Optimierungspotenzial jenseits von To-Do-Listen, Ablaufplänen oder CSR-Reporting-Frameworks. Es geht um Beteiligung, Emotionalität und auch ein bisschen Luft zum Atmen. Auch wenn die Post mir Ihren 500.000 Mitarbeitern eine kleines Land ist, das anders geführt werden muss als ein kleines mittelständisches Unternehmen, so lässt die CSR-Strategie der Post z.B. ein wenig die Verankerung und das Zusammenspiel mit den Kunden des Konzern vermissen. Die Strategie wird klar von oben geführt, doch gelebt werden CSR-Strategien auf Dauer nur erfolgreich im Zusammenspiel mit den Mitarbeitern – diesen Punkt hat die DP auch verstanden – wie es täglich gelebt wird, ist noch nicht wirklich absehbar – und eben auch den Kunden des Unternehmens. Hier ließe sich, z.B. als eine Maßnahme, über einen Kundeninnovationsprozess und ähnliche Konstrukte etwas mehr Lebendigkeit und am Ende auch Nähe in das CSR-Konzept bringen. Im Ganzen ist das sicher Kritik auf hohem Niveau, wenn aus meiner Sicht auch nicht unwesentlich – über den Erfolg von Kommunikation und Strategie entscheiden sehr oft auch Bauchgefühl und Emotion – hier würde es der DP gut bekommen, ein wenig das Profil des rationalen Logistikers aufzulockern – Kampagnen insbesondere GoTeach bieten hier sehr gute Ansatzpunkte.

///UpDate: DP DHL hat unsere beim Event per Twitter übermittelten Fragen später noch per Twitter beantwortet. Frage 1: Wie priorisiert DP in einer globalen #csr Strategie lokale/regionale Herausforderungen Antwort 1: Der lokale und regionale Bezug ist uns sehr wichtig und Bestandteil aller unserer #CR Programme. Frage 2: Wie werden DP-Kunden in die Entwicklung der #csr Strategie eingebunden? #crowdsourcing #peerproduction Antwort 2: Unsere Kunden profitieren von unserer CR Strategie u.A. durch unsere #GoGreen Services: http://bit.ly/fNrVdY —-Das ist dünn bzw. nicht wirklich eine Antwort und zeigt die Grenzen des Mediums aber auch die inhaltlichen Grenzen, wenn das Social Media Engagement bei einem Event von einer externen Agentur betreut wird, die scheinbar keine weiteren Expertise in behandelten Bereich haben. Das betraf auch einige kritische Tweets (z.B. #CSR includes workers’ rights! DHL should sign global agreement with @uniglobalunion & @ITFglobalunion! #CREvent11) die auch eher pauschalisiert bearbeitet wurden (We are of course interested to constructively cooperate, we thus regularly meet with representatives of UNI/ITF ) ///

Vorstand Appel vor einem neuen Hybrid-Truck Foto: DP DHL

Anbei das vorbreitete Interview der Deutschen Post DHL mit dem Vorstandsvorsitzenden Frank Appel zum ersten Nachhaltigkeitstag bei Deutsche Post DHL:
Herr Appel, warum veranstaltet Deutsche Post DHL einen Nachhaltigkeitstag?

Wir wollen als global tätiges Unternehmen nicht nur Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft übernehmen, sondern auch den Dialog über nachhaltiges unternehmerisches Handeln mit allen gesellschaftlichen Akteuren vorantreiben. Nur im Dialog mit unseren Partnern, Wettbewerbern, Aktionären und Kunden sowie im Austausch mit Politik und Wissenschaft können wir erfahren, welchen Erwartungen und Forderungen wir gerecht werden müssen.

…und das heißt konkret?

Dass wir beim Nachhaltigkeitstag führende Köpfe aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zusammenbringen und zum Beispiel diskutieren, welchen Beitrag Unternehmen für eine energieeffiziente und emissionsarme Wirtschaft leisten können. Oder welche Rolle Unternehmen übernehmen können, um – auch im eigenen Interesse – die Bildungschancen für Kinder und Jugendliche zu verbessern.

Welche Schwerpunkte setzt Deutsche Post DHL, wenn es um Nachhaltigkeit und Unternehmerische Verantwortung geht?

Wir konzentrieren uns auf die Themen Umweltschutz, Bildung und Katastrophenhilfe. Diese Bereiche sind eng mit unserem Kerngeschäft und damit auch mit unserem Know- how verknüpft.

Corporate Responsibility im Zusammenhang mit dem Kerngeschäft? Das klingt sehr business-orientiert.

Meines Erachtens klingt das eher logisch: Wenn wir uns mit unseren Aktivitäten auf die Bereiche konzentrieren, in denen unser Wissen und unsere Zuständigkeiten am besten entwickelt sind, erzielen wir die größte Wirkung. Zugleich müssen wir uns den Herausforderungen stellen, für die wir aufgrund unserer Geschäftstätigkeit mitverantwortlich sind. Um es kurz zu sagen: Wir wollen Teil der Lösung sein.

Wie setzen Sie diesen Anspruch um?

Als Transport- und Logistikunternehmen steht für uns Umweltschutz ganz oben auf der Agenda – beispielsweise durch den Einsatz von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben und dadurch, dass wir uns konkrete, messbare Ziele für die Steigerung unserer CO2- Effizienz setzen und verfolgen. Auch in der Katastrophenhilfe konzentrieren wir uns auf das, was wir am besten können: Als Partner der UN unterstützen mit unseren DHL- Logistikexperten im Fall einer Naturkatastrophe die Hilfsanstrengungen an den Flughäfen. Wir waren alleine im letzten Jahr mehrfach im Einsatz, zum Beispiel nach dem Erdbeben in Haiti oder den Überschwemmungen in Pakistan. Und das Thema Bildung hat für uns als einer der weltweit größten Arbeitgeber mit rund 500.000 Mitarbeitern einen besonderen Stellenwert, nicht nur in Deutschland.
Aber was hat Bildung mit Ihrem Kerngeschäft zu tun?

Das liegt auf der Hand: Als globales Unternehmen werden wir auch in Zukunft motivierte und qualifizierte Arbeitskräfte nicht nur in Deutschland, sondern in allen Ländern der Welt brauchen. Wir haben also ein besonderes Interesse, uns für bessere Bildungschancen einzusetzen. Gemeinsam mit der Organisation Teach For All arbeiten wir daran, den Bildungszugang für benachteiligte Kinder und Jugendliche in vielen Ländern weltweit zu verbessern.

Herr Appel, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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Über Riccardo Wagner

Riccardo Wagner ist geschäftsführender Gesellschafter bei BetterRelations - CSR Strategy & Communications. Wir bieten unabhängige Beratung & Projektmanagement für Unternehmen und Agenturen für Strategie, Unternehmenskommunikation und Medienproduktion, mit einem Schwerpunkt in den Bereichen CSR/Nachhaltigkeit & Charity.

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